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Heilmittelbehörde erwägt, Kontrolle an EU abzutreten; Ursprung der Idee; Bund könnte sparen; Günstigere Medikamente
Berner Zeitung , 06.02.2010

Das Heilmittelinstitut Swissmedic zieht in Betracht, der EU in Sachen Zulassung von Medikamenten volles Vertrauen zu schenken. Swissmedic-Sprecher Joachim Gross sagt gegenüber dieser Zeitung: «Der Institutsrat der Swissmedic diskutiert zurzeit, ob künftig Medikamente, die in der EU bewilligt werden, automatisch auch in der Schweiz zugelassen sein sollen.». Der Institutsrat hat diese Diskussion laut Gross von sich aus aufgegriffen. Bereits Ende März oder Anfang April will der Institutsrat laut Gross einen entsprechenden Entscheid treffen. Geplant ist, dem Bundesrat dann gegebenenfalls den Vorschlag als Antrag zu unterbreiten. Brisant ist der Vorschlag, weil die Behörde Swissmedic weiter geht als Vorstösse aus der Politik. Diese forderten bloss eine Vereinfachung der Zulassung durch engere Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Der Hauptvorteil des Vorschlags: Gewisse Zulassungsverfahren würden entscheidend verkürzt. Bei der Schweinegrippeimpfung hat sich gezeigt, dass eine separate Zulassung durch die Swissmedic im Notfall problematisch sein kann. Ein Impfstoff wurde in der Schweiz Wochen später als in der EU zugelassen. Die Behörde geriet in die Kritik. Dieses ist laut Gross der Hauptgrund für das jetzige Vorhaben der Swissmedic. Der Druck auf das Institut, die Zulassungsverfahren schneller durchzuführen, war bereits vor jenem Vorfall gross. Der ehemalige Gesundheitsminister Pascal Couchepin stand im Ruf, die Probleme der Swissmedic stiefmütterlich zu behandeln. Mit Couchepins Abgang könnte das ändern. Bereits kurz nach der Schweinegrippe-Impfkampagne hat der neue Gesundheitsminister Didier Burkhalter signalisiert, dass die Schweiz Verhandlungen mit der EU aufnimmt, um einen Informationsaustausch bei Bewilligungsverfahren zu regeln. Ein zweiter Vorteil der automatischen Zulassung: Die Schweiz könnte Geld sparen. Bis jetzt bezahlt der Bund pro Jahr 16 Millionen Franken an die Swissmedic. Gross betont allerdings, dass sich möglicherweise nicht sehr viel sparen liesse. Denn der Swissmedic bliebe auch nach der Einführung der automatischen Zulassung von EU-Medikamenten noch viel Arbeit. So wäre sie nach wie vor zuständig, für die Zulassung neuer inländischer Medikamente. Zudem bliebe ihr die Aufgabe der Marktbeobachtung. Der Vorschlag ist nicht unumstritten. Die Pharmabranche wehrt sich vehement gegen das reine Delegieren der Zulassungsentscheide an die EU. Dennoch ist selbst die Pharmabranche nicht grundsätzlich gegen eine automatische Zulassung. Ihr Ansinnen: Die Schweiz müsste mit eigenen Experten in der Arzneimittelbehörde der EU vertreten sein (siehe Interview). Bereits vor Jahren hatte der damalige Preisüberwacher Rudolf Strahm eine automatische Zulassung von Medikamenten gefordert. Dem neuen Preisüberwacher Stefan Meierhans gefällt der Vorschlag: «Zulassungen bei der EU sind sicher gleichwertig». Deshalb entspreche es «dem gesunden Menschenverstand, wenn die Schweiz Synergien mit der EU nutzt». Dies dürfte «auch zu entsprechenden Einsparungen bei den Verwaltungskosten führen». Dass dabei tatsächlich tiefere Medikamentenpreise resultierten, sei zu hoffen, so Meierhans. - Mischa Aebi


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